Studieren an der SAE?
Chantal Göhner

Genuss Statt Verschwendung

Stell dir vor: Eine Karotte mit zwei Beinen und ein herzförmiger Apfel retten die Welt. Unmöglich? Nicht in Bern! Hier gibt der Gmüesgarte ‚hässlichem‘ Gemüse eine zweite Chance und fordert unsere Vorstellung von Perfektion heraus.

Makel werden zu Markenzeichen und jede Delle erzählt eine Geschichte. Dieser Fotobericht enthüllt, wie aus Aussortiertem Aussergewöhnliches und Leckeres entsteht.

Genussstattverschwendung
PROJEKTINFOS
Team:
Chantal Göhner
Semester (Modul):
1. Modul
Fachbereich:
Photographic Storytelling
Mitwirkende:
Chantal Göhner

In einer Welt, in der jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll landen, zeigt das Projekt "Gmüesgarte" in Bern einen hoffnungsvollen Gegenentwurf. Diese fotografische Dokumentation beleuchtet, wie "unperfektes" Obst und Gemüse nicht nur vor der Verschwendung gerettet, sondern in wahre kulinarische Schätze verwandelt werden kann. Von krummen Karotten bis zu fleckigen Äpfeln – dieser Bericht macht sichtbar, dass Genuss und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können, wenn wir bereit sind, unsere Sichtweise zu ändern und kreativ zu werden.

Der Kampf gegen Foodwaste

Foodwaste ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Jedes Jahr landen weltweit unvorstellbare 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll. Das entspricht einem Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion. Diese Verschwendung zieht sich durch alle Bereiche, von der Landwirtschaft über die Verarbeitung bis hin zu Handel und Haushalten. 

Gmüesgarte Lebensmittel

Auch die Schweiz ist keine Ausnahme: Im europäischen Vergleich gehört sie sogar zu den Spitzenreitern beim Pro-Kopf-Lebens-mittelabfall.

Doch es gibt Hoffnung. Kreative Lösungen und Initiativen zeigen, wie jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann, um diese Verschwendung zu reduzieren. Dieser Fotobericht wirft einen Blick hinter die Kulissen und macht deutlich, welche weitreichenden Konsequenzen Food-Waste hat und was wir dagegen tun können.

Wenn Schönheit über Genuss entscheidet

Unschöne Lebensmittel

Ein Apfel mit einer Delle, eine krumme Gurke, eine zu kleine Kartoffel. Für viele Lebensmittel bedeuten solche Makel das Aus, noch bevor sie überhaupt in den Handel gelangen. Der Grund: Sie entsprechen nicht den strengen Schön-heitsnormen. Ein bedeutender Anteil der Lebensmittelverschwendung ist auf diese strengen Schönheitsnormen zurückzuführen.

Diese Normen sind oft willkürlich und haben wenig mit dem tatsächlichen Nährwert oder Geschmack der Produkte zu tun. Eine Karotte mit zwei «Beinen» oder ein herzförmiger Apfel sind genauso nahrhaft und lecker wie ihre «perfekten» Gegenstücke. Dennoch werden sie aussortiert, weil sie nicht dem standardisierten Bild entsprechen, das Supermärkte und Verbraucher erwarten.

Doch diese Praxis hat fatale Folgen. Allein in der Schweiz werden jährlich rund 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel ver-schwendet, zehn Prozent davon bereits in der Landwirtschaft. Diese Zahlen verdeutlichen, wie tief verwurzelt unsere Vorstellungen von «perfektem» Obst und Gemüse sind und welche enormen Auswirkungen sie haben.

Diese Verschwendung ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern belastet auch unsere Umwelt enorm. Denn für die Produktion, den Transport und die Entsorgung dieser Lebensmittel werden Unmengen an Ressourcen verbraucht und Treibhausgase freigesetzt. Die Auswirkungen reichen weit über den offen-sichtlichen Verlust von Nahrungsmitteln hinaus. Jedes weggeworfene Lebensmittel bedeutet auch eine Verschwendung von Wasser, Energie und Arbeitskraft, die in dessen Produktion geflossen sind. Zudem tragen die bei der Entsorgung entstehenden Methangase zur globalen Erwärmung bei. Es ist höchste Zeit, dass wir umdenken und erkennen: Auch krummes Gemüse schmeckt!

Vom Acker auf den Teller statt in die Tonne

Ich bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Man wirkt hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich weiss, dass ich nie die Chance haben werde, im Stern zu erscheinen. Aber bin ich darum weniger wichtig? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text. Und sollten Sie mich jetzt tatsächlich zu Ende lesen, dann habe ich etwas geschafft, was den meisten „normalen“ Texten nicht gelingt. Ich bin Blindtext. Von Geburt an. Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, was es bedeutet, ein blinder Text zu sein: Man macht keinen Sinn. Man wirkt hier und da aus dem Zusammenhang gerissen. Oft wird man gar nicht erst gelesen. Aber bin ich deshalb ein schlechter Text? Ich weiss, dass ich nie die Chance haben werde, im Stern zu erscheinen. Aber bin ich darum weniger wichtig? Ich bin blind! Aber ich bin gerne Text. Und sollten Sie mich jetzt tatsächlich zu Ende lesen, dann habe ich etwas geschafft, was den meisten „normalen“ Texten nicht gelingt.

Gmüesgarte Lager

Doch der Gmüesgarte ist weit mehr als nur ein Aboanbieter für «unperfektes» Gemüse. Es ist ein Ort der Begegnung, an dem eine Gemeinschaft zusammenkommt, um gemeinsam ein Zeichen gegen Foodwaste zu setzen. Von den Landwirten bis zum Kunden zieht man hier an einem Strang und zeigt, dass jedes Lebensmittel wertvoll ist, egal welche Form oder Grösse es hat. Vom Acker bis zum Teller wird hier jedes Lebensmittel wertgeschätzt und genutzt. Diese ganzheitliche Herangehensweise macht den Gmüesgarte zu einem Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und zeigt, wie eine ressourcenschonende Zukunft aussehen kann.

Wie das gelingen kann, zeigt das Projekt Gmüesgarte in Bern. Hier bekommen Obst und Gemüse, die den gängigen Schönheitsidealen nicht entsprechen, eine zweite Chance. Von lokalen Landwirten bezieht das Team um die vier Gründer Franziska, Geo, Jan und Simon all jene Produkte, die sonst aussortiert worden wären. In Aboboxen verpackt, finden sie dann dankbare Abnehmer.

Gmüesgarte Abobox

Eine Schatzkiste voller kulinarischer Möglichkeiten

Vorbereitung Kochen

Das Herzstück des Gmüesgarte sind die Aboboxen, die jede Woche mit einer bunten Auswahl an Obst und Gemüse gefüllt werden. Immer abhängig davon, was gerade Saison hat und welche krummen Schätze die Partnerlandwirte liefern. Für die Kunden bedeutet das nicht nur jede Menge Abwechslung auf dem Teller, sondern auch die Möglichkeit, kreativ zu werden und neue Rezepte auszuprobieren.

Denn die Box ist weit mehr als nur eine Lieferung von Lebensmitteln. Sie ist eine Einladung, sich auf eine kulinarische Entdeckungsreise zu begeben. Karotten mit zwei Beinen? Kein Problem, daraus lässt sich eine herrlich cremige Suppe zaubern. Kartoffeln in allen Formen und Grössen? Perfekt für einen bunten Salat oder ein herzhaftes Gratin. Und auch krumme Gurken und Tomaten eignen sich hervorragend zum Grillen oder als Basis für einen kleinen Snack.

.

Bruschetta
Vorbereitung Bruschetta

Die Möglichkeiten sind schier unendlich und laden dazu ein, auch mal über den Tellerrand zu schauen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Apfelwähe oder einem Kohlrabi-Salat? Oder vielleicht mit selbstgemachtem Ketchup oder Apfelkompott? Selbst Gemüseschalen und -strünke, die normalerweise im Abfall landen würden, können hier eine neue Be-stimmung finden, sei es als Grundlage für eine kräftige Brühe oder als knuspriger Snack aus dem Ofen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und mit jeder Abobox eröffnen sich neue geschmackliche Welten.

Von der Gemüsepfanne über die Blumenkohlsuppe bis hin zur Bruschetta, für jeden Geschmack und jedes Kochniveau ist etwas dabei. Hier wird deutlich, dass die Verschwendung von Lebensmitteln nicht nur unnötig, sondern auch unglaublich schade ist. Denn mit ein bisschen Kreativität und Experimentierfreude lässt sich aus vermeintlich unperfekten Zutaten wahre Gaumenfreuden zaubern. Und das Beste: Man hat stets ein gutes Gewissen, da man weiss, dass man mit jedem Bissen einen Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung leistet.

Denn genau darum geht es am Ende: Zu erkennen, dass wir alle etwas bewirken können, indem wir bewusster konsumieren und kreativer kochen. Jedes Rezept, das aus den Zutaten der Abobox entsteht, ist ein Statement gegen die Verschwendung und für eine Welt, in der Lebensmittel wertgeschätzt werden unabhängig von ihrer Form oder Grösse.

Gemeinsam gegen Foodwaste

Der Kampf gegen Foodwaste ist eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe, die uns alle angeht. Projekte wie der Gmüesgarte zeigen, dass es möglich ist, etwas zu verändern, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen und kreativ zu werden. Sie machen Mut und inspirieren dazu, auch im eigenen Alltag achtsamer mit Lebensmitteln umzugehen.

Denn jeder noch so kleine Beitrag zählt. Sei es der Kauf einer Abobox, die Zubereitung eines Gerichts aus krummem Gemüse oder das Einkaufen bei lokalen Hofläden, in der Summe können wir etwas bewegen. Es liegt an uns allen, die Herausforderung anzunehmen und Teil der Lösung zu werden.

Fertige Gerichte

Dieser Fotobericht hat gezeigt, dass Foodwaste kein unabwendbares Schicksal ist, sondern eine Chance für Veränderung. Eine Chance, unseren Umgang mit Lebensmitteln zu überdenken, wertschätzender zu konsumieren und kreativer zu kochen. Eine Chance, gemeinsam eine Welt zu schaffen, in der gutes Essen nicht im Müll landet, sondern auf unseren Tellern und in unserer Mitte. Indem wir uns dieser Herausforderung stellen, können wir nicht nur unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern, sondern auch ein neues Bewusstsein für den Wert unserer Nahrung entwickeln. Jeder Schritt in diese Richtung ist ein Gewinn für uns, für unsere Umwelt und für zukünftige Generationen. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, Foodwaste zu einer Sache der Vergangenheit zu machen.

Der Autor
Die Autorin

Chantal Göhner verbindet ihre Leidenschaft für Content Creation mit ihrer Liebe zur Fotografie und Ästhetik. Die kreative Entdeckerin sammelt auf ihren Reisen nicht nur visuelle Eindrücke, sondern auch inspirierende Geschichten, die sie gekonnt in Szene setzt. Ob beim Erkunden neuer Kulturen, beim Einrichten von Räumen oder beim Kochen neuer Gerichte – ihr Auge fürs Detail und ihre extrovertierte Art machen sie zu einer vielseitigen Kreativschaffenden mit einzigartigem Blick für das Schöne.

Ähnliche
Projekte