Der Weg der elektronischen Tanzmusik
Ich begleite den DJ Livio Ribul bei seiner grössten Leidenschaft: Techno.
Techno fand seine Anfänge in den 80er Jahren in Detroit. Inspiration fanden die DJs in Amerika vor allem in Europa. Z.B. von der Synth Pop Band Kraftwerk. Das bereits bekannte New Wave Genre gemischt mit Hip Hop, ergab einen neuen eigenen Sound, den man heute Electro nennt. Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson sind die Urgesteine des Technos. Sie prägten die ganze Musikrichtung und entwickelten die Chicagoer House Music.
Die Streetparade in Zürich, die jährlich bis zu 900'000 Besucher hat, ist die grösste Technoveranstaltung der Welt. Techno ist eine Subkultur, die für ewig langes Tanzen, Akzeptanz und Liebe steht.
Ich begleite meinen Partner Livio Ribul bei seiner grössten Leidenschaft. Die Musik. Ich tauchte erst in die Welt der elektronischen Musik ein, als ich Livio kennen lernte. So ging ich an meine ersten Technopartys und war sofort gefesselt. Die Atmosphäre, die Leute, die Lichter in Kombination mit diversen Beats, lässt nicht los und man möchte mehr davon. Ausserdem ist Techno sehr vielfältig. Es gibt für jeden Geschmack eine Richtung. Man kann darüber diskutieren ob einem Techno gefällt oder nicht, wie jedes andere Genre ist es Geschmackssache. Man findet jedoch selten so ein friedliches, diverses und zuvorkommendes Publikum wie bei Technoveranstaltungen. Es ist also garantiert, dass man mit offenen Armen aufgenommen und akzeptiert wird, was mir am meisten imponiert.
Vorbereitung
Livio beginnt meist Wochen vorher mit der Vorbereitung. Es fängt mit dem Gedanken an, was für eine Party stattfindet und welche Art von Techno gespielt wird. Dann kommt das Heraussuchen passender Musik. Wenn er auflegt, reichen ihm Laptop, C-DJs und ein Stick mit Tracks für den Auftritt. Wenn er live spielt, muss er in den meisten Fällen sein ganzes Gear mit in den Club nehmen, damit er möglichst vielfältig spielen kann. Im Voraus komponiert er aus dem Stegreif ein komplettes Set, welches er mehrmals üben muss, um bereit für den Auftritt zu sein. Man kann sich das eigentlich so vorstellen, dass er ein kleines Orchester von elektronischen Instrumenten ist.

Hintergrund
Livio hat sein erstes DJ Equipment als zwölfjähriger bekommen. Natürlich eines für Anfänger. Er begann sich in die Materie einzuarbeiten und als Teenager fing er an, als DJ aufzulegen. Zuerst an Partys in Gymnasien und dann mit etwa 16 Jahren das erste Mal im Club. Seither legt er regelmässig in Schaffhausen und ab und zu in Zürich auf. Mittlerweile ist Livio 23 Jahre alt und lebt in der Stadt Schaffhausen.
Livio finanziert sich diese Leidenschaft selbst und besitzt mittlerweile eine beachtliche Sammlung an Gear. Er lötet und baut Geräte auch selbst zusammen. Mit seinen Freunden, bei denen die meisten auch Musik produzieren, hatte er lange ein Studio. Zurzeit hat er aber ein Homestudio, welches er immer wieder umgestaltet und ergänzt. Er besucht seit September 2021 die SAE in Altstetten und absolviert den Studiengang «Audio Engineering.»
Livio produziert seine Tracks grundsätzlich mit Ableton, Elektron digitakt, Moog sub37, Eurorack, Roland JP8000 und noch einiges mehr. Er veröffentlicht seine Musik auf Soundcloud. Mit seinem besten Freund produziert er auch Techno/Schweizerdeutsch Rap als «Dms Boyz». Der bekannteste Song hat mittlerweile fast 10’000 Streams auf Spotify.
Produktion
Doch bevor etwas veröffentlicht werden kann, muss es produziert werden. Das ist ein Prozess, der unterschiedlich lange dauern kann. Livio kann einen Beat in zehn Minuten zaubern, doch manchmal kann es auch mehrere Tage dauern, bis er zufrieden ist. Livio beginnt mit einer gezielten Idee, was entstehen soll. Als erstes schaltet er alle Instrumente ein, probiert, ob alles miteinander verbunden ist und beginnt einfache Beats zu komponieren. Das so lange, bis ein Rhythmus mit einem guten Loop entsteht. Danach nimmt er Takes von 3-4 Minuten pro Instrument mit dem Laptop, mit dem Musikprogramm Ableton auf. Dort kann er dann alles zusammenschneiden, Änderungen vornehmen und arrangieren.
So entsteht bei Livio ein Track.
Der event
Durch Corona hat unter anderem auch die Partyszene gelitten. Fast 2 Jahre konnten er und seine Freunde keine Sets in Clubs oder sonstiges spielen. Als dann alles wieder aufging, war natürlich die Freude gross. Nun ging es wieder an das Vorbereiten und Organisieren von Partys. Das was ich in meiner Fotoserie fotografiert habe, war der zweite Auftritt seit Corona, bei dem man wieder stehen und tanzen durfte.
Die Vorbereitung begann bereits Wochen vor dem eigentlichen Event. Das Restaurant Cardinal in Schaffhausen, welches auch als Bar und Tanzlokal fungiert, stellte seine Räumlichkeiten für eine Party zur Verfügung. Am Tag des Auftritts sind wir bereits früher in der Lokalität, damit die DJs, die an diesem Abend auflegen, alles bereitstellen können. Livio legt zusammen mit seinem besten Freund als DMS Boyz auf.

Zuerst wird das DJ Pult aufgebaut. Er möchte noch für jeden der drei Acts ein Visual für die Wand hinter dem Pult projizieren. Dort sollen kurze Videos laufen und die Namen der DJs stehen.
Die Instrumente werden eingesteckt, der Beamer installiert, der Raum leergeräumt und der Ton gecheckt. Nun ist alles bereit und wir warten, bis die Party um 23:00 beginnt. Um 22:00 sind wir wieder dort und die letzten Feinschliffe werden gemacht. Die ersten Leute treffen bereits ein und sind bereit, um die ganze Nacht zu feiern. Die Stimmung ist top und es wird bis um fünf Uhr in der Früh getanzt.
Fazit
Ich begleite Livio nun schon über drei Jahre an Partys und sehe immer wieder mit wieviel Aufwand das ganze verbunden ist. Jeder Auftritt ist eine erneute Herausforderung. Livio sagt immer, dass man auflegen schnell lernen kann. Doch meiner Meinung nach, braucht es dazu etwas mehr. Auf jeden Fall viele technische Kenntnisse und natürlich ein breites Wissen über Musik. Man muss mit dem Lauf der Zeit mitgehen und seinen Sound immer wieder danach anpassen. Es ist wichtig, sich über das Aktuelle zu informieren und Up to Date zu sein.
Doch das Publikum in Ekstase tanzend, die glücklichen Gesichter und die Freude zu sehen, ist den Aufwand allemal lohnend. Ich denke, so ein Auftritt und die Komplimente danach, gibt ihm extrem viel an Energie zurück, welche er dafür investiert. Es ist ein teures Hobby, doch was mich daran fasziniert ist, dass so viel Zeit investiert werden kann und doch nie ausgelernt ist. Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren. Es gibt beinahe unendlich viele Möglichkeiten. Bisher habe ich immer nur oberflächlich zugeschaut, doch jetzt konnte ich einen tiefen Einblick in die Materie erlangen und verstehe nun einiges mehr.












