Hinter den Gittern des Rings
ein bericht von martin jambresic In der düsteren Atmosphäre der Arena hallt der Klang der Ringglocke wider, begleitet vom ohrenbetäubenden Jubel der Zuschauer. Mit jedem Herzschlag steigt die Spannung in der Luft, Scheinwerfer tauchen den Käfig in gleissendes Licht. Inmitten dieses Spektakels steht ein Kämpfer – Djabrail Limaev – bereit, die Grenzen seiner körperlichen und […]
PROJEKTINFOS
In der düsteren Atmosphäre der Arena hallt der Klang der Ringglocke wider,
begleitet vom ohrenbetäubenden Jubel der Zuschauer. Mit jedem Herzschlag steigt
die Spannung in der Luft, Scheinwerfer tauchen den Käfig in gleissendes Licht.
Inmitten dieses Spektakels steht ein Kämpfer - Djabrail Limaev - bereit, die Grenzen
seiner körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit auszuloten. Als ich beschloss,
Djabrail auf seinem Weg in den Ring zu begleiten, wurde mir klar, dass ich mich auf
eine Reise begeben würde, die weit über den sichtbaren Kampf hinausgeht.
ein bericht von martin jambresic

In der düsteren Atmosphäre der Arena hallt der Klang der Ringglocke wider, begleitet vom ohrenbetäubenden Jubel der Zuschauer. Mit jedem Herzschlag steigt die Spannung in der Luft, Scheinwerfer tauchen den Käfig in gleissendes Licht. Inmitten dieses Spektakels steht ein Kämpfer – Djabrail Limaev – bereit, die Grenzen seiner körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit auszuloten. Als ich beschloss, Djabrail auf seinem Weg in den Ring zu begleiten, wurde mir klar, dass ich mich auf eine Reise begeben würde, die weit über den sichtbaren Kampf hinausgeht.
MMA-Geschichte
Mixed Martial Arts (MMA) ist in den letzten Jahren zu einer der faszinierendsten und dynamischsten Sportarten der Welt geworden. Im Zentrum dieser kraftvollen Disziplin steht der Käfig. Hier treffen Kämpfer verschiedener Kampfsportarten aufeinander, um ihre Fähigkeiten in einem intensiven Schlagabtausch zu messen. Anders als traditionelle Kampfsportarten erlaubt MMA die Kombination verschiedener Techniken von Schlägen, Tritten, Bodenkampf und Submissionstechniken.
Die Anfänge des MMA gehen auf die Olympischen Spiele der Antike zurück, doch erst in den 90er Jahren wurde der Sport in seiner modernen Form populär. Die Idee war, die effektivsten Kampftechniken aus verschiedenen Disziplinen zu kombinieren und herauszufinden, welche Methode in einem realen Kampf am erfolgreichsten ist. Dies führte dazu, dass Veranstaltungen wie die Ultimate Fighting Championship (UFC) entstanden, die schnell weltweite Beachtung fanden.
Vorbereitung für den Kampf
Ich bin mit Djabrail in Aarau im New Leagacy Gym verabredet. Heute steht Brazilian Jiu-Jitsu und Grappling auf dem Programm, erklärt mir Djabrail.
Wir joggen durch die Trainingshalle, wärmen die Gelenke auf und machen verschiedene Ausfallschritte beim Joggen. Nach dieser Einheit machen wir zwei Bahnen, in denen wir verschiedene Übungen durchführen, wie zum Beispiel die Rolle vorwärts und die Rolle rückwärts über die Schulter, die auch Judorolle genannt wird, die Hechtrolle, den Radschlag oder Ringtechniken bis zum Ende der Matte.
Danach werden verschiedene Techniken wie Würfe, Würgegriffe, Gelenkhebel oder Haltegriffe geübt. Im Anschluss daran machen wir Sparring, wobei man wieder selbst entscheiden kann, ob man daran teilnehmen möchte oder nicht. Beim Sparring beginnt man je nach Absprache stehend oder sitzend. Entscheidet man sich fürs Ringen, “kämpft” man so lange, bis man den Gegner im Schwitzkasten oder Würgegriff hat und auf den Gegner klopft. «Tapping» nennt man das dann. Unter „Kämpfen“ verstehe ich nicht den Austausch von Schlägen, sondern eben die Griffe, das Wechseln der Positionen, das Umdrehen des Gegners und das Bringen des Gegners in eine Grifftechnik.
Montags, dienstags, mittwochs und freitags findet das Stand-Up-Training* statt, wobei montags und mittwochs Sparring* und dienstags und freitags eher kein Sparring stattfindet. Die entsprechenden Tage sind logischerweise für die Fortgeschrittenen und für die Neueinsteiger gedacht. Natürlich können beide an jedem Tag des Stand-Up Trainings kommen, aber sie müssen für sich selbst entscheiden, ob sie am Sparring teilnehmen wollen oder nicht. Das Stand-Up-Training beginnt normalerweise mit einem Aufwärmprogramm mit dem Springseil, wobei fünf Runden à drei Minuten absolviert werden, gefolgt von einer einminütigen Pause, um 20 Liegestütze, 20 Rumpfbeugen und 20 Kniebeugen zu machen. Die Übungen können variieren. Im Anschluss daran werden verschiedene Kombinationen geübt und es wird an den Techniken gefeilt. Daraufhin folgt entweder das Sparring oder, für Anfänger, das Techniktraining.
Mentale Vorbereitung
Ich bin in einer Kultur aufgewachsen, in der das Kämpfen eine tief verwurzelte Tradition ist. Jeder Mann ist verpflichtet, kämpfen zu können, und in unserer Gesellschaft gilt es praktisch als normal, im Freien zu kämpfen. In Tschetschenien wird es nicht positiv gesehen, wenn ein Mann nicht kämpfen kann. Im Gegenteil, es wird als Gesichtsverlust angesehen, wenn man sich nicht traut zu kämpfen. Das führt zum Ausschluss aus der Gemeinschaft und zu mangelndem Respekt.
Doch nicht für jeden ist das Kämpfen geeignet. Zu Beginn ist es körperlich sehr anstrengend und geht mit Muskelkater und Schmerzen einher. Es kann am Ego nagen, wenn man zum Beispiel ein 25-jähriger Muskelprotz ist, der im Fitnessstudio von einem 16-jährigen 70-Kilo-Gegner besiegt wird. Aber mit der Zeit entwickelt man beeindruckende Fähigkeiten, wie z. B. die Fähigkeit zur Dehnung, ein tiefes Verständnis für den menschlichen Körper und eine gewisse Weisheit.

Fragen wie «Was passiert, wenn ich verliere?» oder «Bin ich bereit genug dafür?» gehören zur mentalen Vorbereitung auf einen bevorstehenden Kampf. Sich daran zu erinnern, warum man kämpft, ist in solchen Momenten wichtig. Als Muslim denke ich immer daran, dass es feige ist, sich solche Fragen zu stellen.
«Die Angst vor etwas ist oft grösser als die Angst vor dem Ereignis selbst.»
Ich erinnere mich daran, dass ich nicht kontrollieren kann, was Allah für mich bestimmt hat. Ich tue es, weil es mir Spass macht. Das ist das Wichtigste.
Um die nervliche Anspannung in den Griff zu bekommen, analysiere ich die Videos meines Gegners auf Schwachstellen und entwickle eine Strategie. Ich arbeite so intensiv an der Verfeinerung meiner Techniken, dass ich in der Nacht davon träume. Das ständige Streben nach Verbesserung und das Beten für den Sieg helfen mir bei der Bewältigung der nervlichen Anspannung.
Nach einem Kampf versuche ich bescheiden zu sein, egal ob es ein Sieg oder eine Niederlage war. Wenn ich gewinne, verzichte ich darauf, herumzuschreien oder mich als den Besseren darzustellen. Stattdessen bedanke ich mich bei meinem Gegner und seinem Team für den Sieg. Wenn ich verliere, verhalte ich mich auf die gleiche Art und Weise und versuche, bescheiden zu bleiben. Wenn der Gegner sich respektlos verhält, kläre ich das ausserhalb des Rings, denn es ist wichtig, den Respekt zu wahren. Man muss sich vor Augen halten, dass sowohl der Sieger als auch der Verlierer vor einem Publikum stehen, vielleicht sogar vor Verwandten. Das ist schon schwierig genug. Da muss man nicht noch drauf rumhacken.
Team
MMA ist ein Mannschaftssport, auch wenn man allein im Ring kämpft. Daher ist das Team unabdingbar. Wie vorher erwähnt, spielen Trainer und Teamkollegen eine entscheidende Rolle während der Vorbereitung und im Kampf. Das Team und der Trainer sind essentiell, da sie dazu beitragen, dass man auf Fehler aufmerksam wird und einen strukturierten Trainingsplan erstellen. Dieser Plan legt fest, welche Aspekte des Trainings, wie beispielsweise Stand-Up oder explosives Training, an welchem Tag angesagt sind. Die Teamkollegen sind nicht nur motivierende Unterstützung, sondern dienen auch als Trainings- und Sparringspartner.
Die gemeinsame Arbeit als Team schafft eine enge Verbindung zwischen den Mitgliedern. Es entsteht eine Art familiäre Atmosphäre, in der jeder seine individuellen Eigenheiten und Charakteristiken einbringt. Man teilt die Höhen und Tiefen miteinander, sei es im Training oder im Sparring, wo man sich gegenseitig herausfordert. Ob es um einen Sieg oder eine Niederlage geht, wird zur Nebensache, denn man durchsteht gemeinsam alle Herausforderungen, erklärt mir Djabrail.
Ein besonders prägendes Kampferlebnis war mein erster Kampf. Unabhängig davon, wie fit man ist oder wie viele Strassenkämpfe man durchgestanden hat, der erste Kampf im Ring ist eine völlig andere Erfahrung. Selbst die beste körperliche Verfassung kann nicht verhindern, dass einem im ersten Kampf die Puste ausgeht. Es spielt keine Rolle, wie fit man ist, im ersten Kampf wird man immer müde sein.
Stresssituationen während eines Kampfes erfordern einen klaren Kopf, die Fähigkeit, Distanz zu schaffen und einen Neustart. Selbst wenn man einen harten Schlag ins Gesicht kassiert hat, ist es wichtig, nicht in Panik zu geraten und impulsiv zu reagieren. Stattdessen sollte man sich neu fokussieren, eine neue Strategie verfolgen und dies immer wiederholen, bis der Sieg erreicht ist.

Die grösste Herausforderung im Käfig besteht für mich bis heute darin, das Lampenfieber zu überwinden. Obwohl ich grundsätzlich keine Probleme habe, mich mit anderen zu messen und vor niemandem Angst habe, kämpfe ich immer noch damit, wenn ich vom Publikum umgeben bin. In solchen Momenten muss ich stets darauf achten, keinen Blackout zu erleiden und meine Scheu vor dem Publikum zu überwinden.
Abschluss
Mit dem Klang der Ringglocke und dem tosenden Applaus der Zuschauer schliesst sich der Vorhang für einen Einblick in die faszinierende Welt des Mixed Martial Arts und den furchtlosen Kämpfer Djabrail. Inmitten der Arena, erleuchtet von grellem Licht, symbolisiert der Käfig nicht nur den Schauplatz eines physischen Kampfes, sondern auch eine Bühne, auf der persönliche Grenzen durchbrochen und Siege über die eigene Entwicklung errungen werden.
Die Reise durch Djabrails Vorbereitung im New Legacy Gym, seine mentale Stärke und die Bedeutung des Teams hebt nicht nur die Sportart MMA hervor, sondern auch die tieferen Dimensionen dieses faszinierenden Sports. Die Verbindung von physischer Ausdauer, geistiger Entschlossenheit, Teamarbeit und persönlichem Wachstum spiegelt die Essenz des MMA wider.

Obwohl Djabrail in diesem Kampf leider den Sieg verpasst hat, bleibt seine Geschichte nicht nur eine Erzählung von Kämpfen im Ring, sondern auch eine Lebensphilosophie, die den Weg der Selbstverbesserung und die konstante Suche nach Höherem betont. Möge seine Reise weiterhin von Erfolg, Entdeckungen und innerem Triumph geprägt sein. Wir schliessen dieses Kapitel und wünschen Djabrail alles Gute auf seinem Weg, während er weiterhin die Herausforderungen des Käfigs mit Entschlossenheit und Mut annimmt. Möge der Käfig für ihn nicht nur eine Arena des Wettbewerbs, sondern auch ein Raum der persönlichen Transformation bleiben. Der nächste Kampf steht bereits in Aussicht, und wir sind zuversichtlich, dass er mit der gleichen Entschlossenheit angegangen wird.








