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Salome Boffi

Die Geschichte des Albani Music Club

Während der Corona-Pandemie mussten viele Clubs aufgrund der Lockdowns schliessen. Die Pandemie hat auch den Albani Music Club in Winterthur getroffen.

Doch das «Albani», wie es umgangssprachlich benannt wird, hatte schon vorher um seinen Standort in Winterthur zittern müssen.

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1. Modul
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Content Creation

Der Vermieter wollte über dem Club Studentenwohnungen vertreiben, was zum Interessenkonflikt zwischen dem Clubbetrieb und den neuen Anwohnern führen würde. Durch ein Crowdfunding konnte das Albani nicht nur die Räumlichkeiten aufkaufen und sich als feste Adresse etablieren, sondern auch die Pandemie besser als andere Clubs durchstehen. Aber trotzdem stellt sich dabei die rudimentäre Frage: „Wie ging es „dem Albani“ während der Pandemie?“.

Diese und andere Fragen rund um den Albani Music Club in der Pandemiezeit beantworte ich in diesem Fotobericht mit Kontextualisierung der Geschichte des Clubs.

Vom Zittern übers Überleben zum stolzen Standort in Winterthur

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Was ist das «Albani»?

Der Albani Music Club ist ein Musikclub, den es schon seit 1988 gibt, und besteht nun seit über 30 Jahren in Winterthur. Laut eigener Website wird das «Albani“ synonym mit qualitativer Live-Musik gleichgesetzt. Seinen Ruf in der schweizerischen Musiklandschaft hat der Club über Jahrzehnte aufgebaut durch Auftritte nationaler und internationaler Acts. Man sieht das schon anhand der eingekehrten Acts, dass der Club genreübergreifend alle zu sich einlud: Bands wie Crowded House oder Mazzy Star, aber auch Künstler wie Dendemann, Faber oder Crimer traten schon im Etablissement auf. Wer sich für Musik in kleinem Rahmen begeistern kann, wird im Albani bestens mit intimer Atmosphäre und grosser Auswahl an Spirituosen belohnt.

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Der Aufstieg

Während der späten 80er und der 90er Jahre konnte das Albani inzwischen bekannte Acts bei sich auftreten lassen und an Bekanntheit gewinnen. Damals war Blues-Musik noch öfters zugegen und gehörte zum Programm des Clubs, welches jedoch mit abnehmender Popularität des Genres das Albani dazu trieb, sich allmählich davon zu verabschieden. Bekannte Musiker wie Bernard Allison, oder der von Bruce Springsteen als „der beste Gitarrist“ betitelte Rudy Rotta, gingen im Albani ein und aus. Es finden sich zudem Aufnahmen der Räumlichkeiten des Clubs, in Musik-Dokumentationen von bekannten Bands wie Pearl Jam oder Héroes del Silencio wieder, welche das Albani während derer Anfangszeit bei sich auftreten liess.

Mit der Zeit verdrängten jedoch beliebter werdende Genres wie Singer/Songwriter, Indie-Rock und Hip-Hop den für das Publikum aus der Zeit gefallenen Blues und es fanden sich fast keine Besucher mehr für die donnerstäglichen „Jam-Sessions“. Wegen der Erfahrung aus diesem Format und des daraus wiederholt resultierten vergeblichen finanziellen Aufwands besinnt sich der Club seitdem nur noch darauf, Veranstaltungen zu geben, für die sich ein Publikum finden lässt.

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Erst in neuerer Zeit weitete das Albani seine Genregrenzen aus und baute die neuen Genres in sein Angebot ein. Hip-Hop Acts erhielten dadurch einen weiteren Ort für Auftritte in Winterthur. Zudem finden jeden Freitag und Samstag während der Auftrittssaison zwischen Oktober bis Mai Partys statt. Dabei erfreuen sich vor allem 80er-, 90er- und 2000er Partys grösster Beliebtheit, jedoch finden auch Disco/House, Indie-Rock und besagte Hip-Hop-Partys ihren Stammplatz im Programm. Die letzteren beiden Genrepartys werden dabei meist anschliessend nach einem ihrem Genre zugehörigen Konzert organisiert.

Freitags wird die Bühne für lokale „Crews“ unter dem übergreifenden Namen „Steibi.fm“ frei gemacht, die in diesem berühmten Format ihre Musik präsentieren oder performen können. Zudem lässt das Albani einmal im Monat Poetry-Slammer auftreten und es finden vereinzelt immer wieder kleinere Anlässe wie Schallplattenbörsen oder sogar Tischfussballturniere statt. Nebst der Veranstaltungen während der Hauptsaison finden jeden Sommer noch die Winterthurer Musikfestwochen statt, welche in den Gassen rund ums Albani veranstaltet werden und an welchen die Bar für alle Besucher geöffnet hat.

Die CoronaKrise

Das Albani ist gesamthaft gesehen gut durch die Coronakrise gekommen. Beim ersten Lockdown hatte der Club dabei auf Livestreams gesetzt. Das Team des Clubs musste dabei das Streaming Konzept relativ schnell zu Stande bringen; Jeden Sonntag wurde eine Akustik-Session namens „Rabbit Hole“ online live geschaltet. Der Aufwand lohnte sich im Verhältnis: Im Durchschnitt schauten bei einem Livestream je 80 Zuschauer zu und ungünstigenfalls 20 Personen.

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DAs Aus für den Club?

Während des ersten Lockdowns kam dann noch ein Schock dazu: Die Besitzer des Hauses wollten die Räumlichkeiten verkaufen. Ursprünglich wollte der Besitzer 3.5 Millionen Franken für das Haus, woraufhin die Aktiengesellschaft hinter dem «Albani» entgegen einräumte, dass der Wert des Hauses höchstens bei zwei Millionen liege. Die Aktionäre der Albani Music-Club AG waren sofort bereit mit einer Unterstützung von 800’000 bis einer Million Franken das Unterfangen finanziell abzusichern. Jedoch machten die Banken dem Enthusiasmus dieser schnellen Mobilisierung schnell ein Ende. Sie forderten ein Eigenkapital von 50% des Ausgangswerts, also insgesamt 1.75 Millionen, woraufhin nichts anderes übrigblieb, als den Betrag mit einem Crowdfunding-Projekt hineinzuholen. Es mussten nun also innerhalb von zwei Wochen Videos und Grafiken für das Projekt konzipiert und produziert werden. Guten Glücks konnte der Club aus einem Pool von kreativen Berufstätigen aus ihrem Umfeld profitieren und diese Medien schnell aus dem Boden stampfen.

Während der Crowdfunding-Aktion verbuchte das Albani schon am ersten Tag einen finanziellen Zuspruch von 100’000 Franken diverser Backer für das Online-Projekt. Am 16. Tag waren es schon 580’000 Franken. Die Lockdown-Situation begünstigte dabei ihr Vorhaben, denn da die Bevölkerung durch den Lockdown dazu gezwungen war zu Hause zu bleiben, war der Fokus auf ihr Online-Projekt dementsprechend grösser. Man überliess den Ausgang des Projekts dabei jedoch nicht dem Zufall. Langjährige Bekannte des Clubs, sowie Stadt- und Agglomerationsangehörige wurden gebeten sich für die Sache zu engagieren und der Ausgang des Crowdfundings war für die Organisatoren eine Bestätigung für den Stellenwert des Club im Kulturverständnis der Winterthurer.

Nach der Finanzierung kam jedoch ein anderes Problem auf, welches dem Glück des eigen erkauften Clubs für die AG im Weg stand: Ein anderer Käufer.

Die Lage direkt in der Altstadt lockte Konkurrenz an bis zum Höchstgebot von 3.3 Millionen. In dieser Angelegenheit konnte das Ruder zugunsten des eigenen Kapitals nur noch durch den Einwand eines Vorverkaufsrechts herumgerissen werden. Das Albani hatte dabei während dieser ganzen Zeit persönlich grosses Glück; Ein Jahr vor der Coronakrise lief es zwar noch gut für das Albani, jedoch steckte der Betrieb drei Jahre davor in einer individuellen Krise. Die Coronakrise trat ein im Jahr der finanziellen Erholung des Clubs. Nur ein Jahr früher und der plötzliche Verkauf hätte aufgrund der misslichen Lage aller Organisation das Aus für den geschichtsträchtigen Club bedeutet.

Es gab auch Interessenten aus der Stadt selbst. Diese zogen sich aber aufgrund der persönlichen Reputation in der Stadt beim Aufkauf des Albanis und hinsichtlich der Geschichte des Clubs und Hotels aus Ehrfurcht vor dem Traditionsbetriebs dann wieder zurück.

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Der Betrieb

Nach dem Lockdown hat das Albani im Mai 2020 einen Take-Away aufgestellt, welcher stark frequentiert wurde. Dabei wurden der ganze Essensbestand und 1000 Liter Bier verkauft. Im Sommer fand nach den Lockerungen wieder der reguläre Betrieb in der Gartenbeiz statt und erste Partys wurden wieder aufgenommen.

Das Albani hatte sich dabei für die Sicherheit der Gäste selbst reguliert; Von 300 zugelassenen Personen aus offizieller Seite, durften effektiv höchstens 150 in den Club. Die Maskenpflicht führte jedoch zu Unmut in der Bevölkerung und wirkte sich auf das Verhalten der Stammgäste aus. Es kamen mit der Zeit immer weniger Gäste, trotz konstantem Betrieb. Um den Betrieb trotz ansteigender Reglementierung zu bewerkstelligen wurden günstigere DJs eingeladen und beim Ausspruch des zweiten Lockdowns kehrte eine relative Erleichterung bei den Clubbetreibern; Freigesprochene Subventionierungsbeiträge für Konzerte deckten die Fixkosten, aber nur das Härtefallgeld und später die Kurzarbeitsentschädigung halfen die Wintersaison zu überstehen. Für die Eventsaison ab Oktober plante das Albani dann aufgrund der unklaren politischen Lage nichts mehr. Trotz Sorge über einen möglichen grösseren Unmut der Kundschaft mit der Zertifikatpflicht gab es keine Probleme, denn es bestand das Bedürfnis nach Versammlung für die gemeinsamen Interessen und führte die Leute in den Betrieb.

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Fazit

Das Albani hat eine bewegte Zeit hinter sich. Über ein Jahrhundert hinweg veränderte sich das Konzept des Lokals ständig. Ab den 80ern trat ein gefestigteres Konzept ein, welches aber trotzdem mit der Zeit mit Hindernissen wie der Pandemie zu kämpfen hatte.

Durch den Kauf des Clubs und Hotels ist die Zukunft nun aber sicher und klar. Das Albani ist jetzt eine feste Adresse in Winterthur und ein Kulturbetrieb der bleibt.

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