Mit Leidenschaft Produzieren
Viele wollen durch Musik Geld verdiene, aber nur wenige können ihr Ziel erreichen. Ich stellte mir dann die Fragen, was für Alternativen die anderen haben und so habe ich Roland Frei kennengelernt.
Auch seine Passion ist die Musik, jedoch verdient er sein Geld dadurch, dass er Werbeton produziert.
Bereits früh am Morgen beim Aufstehen mit dem Handywecker bis spät am Abend, wenn kurz vor dem Einschlafen noch eine Serie geschaut wird, begleiten uns Audioaufnahmen jeglicher Art. Ob bewusst durch das Anmachen von Streaminganbietern oder ungewollt durch Werbung konsumieren wir den ganzen Tag Audioinhalte. Aus diesem Grund gibt es viele Leute, die in dieser Branche arbeiten wollen. Der grösste Teil dieser Leute will in die Musik Produktion. Ist das eine Überraschung? Nein, denn Musik ist bekanntlich durch die eigene Leidenschaft getrieben. Ebenfalls bekannt: Der Musikmarkt ist hart und nicht jeder verdient sich damit seinen Lebensunterhalt. Roland Frei ist nicht im Musikmarkt tätig und lebt trotzdem von seiner Leidenschaft. Er ist selbstständig und teilt sich sein Studio mit anderen Produzenten. Was seine Leidenschaft ist? Er liebt es Werbeton zu produzieren.
Werbung ist mittlerweile überall. Was macht eine gute Werbung aus? Mit unter den wichtigsten Merkmalen einer Werbung ist die professionelle Audioqualität. Billig und nicht durchdachte Audios, nerven den Konsumenten! Schlechter Ton führt dazu, dass die Werbung nicht gesehen werden will. Deshalb sind qualitative Tontechniker und Audio-Ingenieure in der Werbeindustrie essenziell. Anhand Roland Freis Arbeitserfahrung und Geschichte wird in diesem Text die Thematik aufgegriffen.
Produktionsunterschied der WErbung und Musik
Aus tontechnischer Sicht sind Werbeton-Produzent:innen und Musik-Produzent:innen ähnliche Berufe auf zwei unterschiedlichen Märkten. Beide Tätigkeiten nutzen die gleichen Programme, Studios und Equipment. Roland Frei selbst teilt sich sein Studio mit einem reinen Musik-Produzent.
Werbeproduktion
In der Werbeproduktion sind die Produzent:innen ein Teil eines grossen Teams. Sie arbeiten mit diversen Menschen zusammen. Die Auftraggeber, Agenturen und diversen andere Leute wie zum Beispiel Synchronsprechen oder Regisseure begleiten den Herstellungsprozess einer Werbung. Die richtige Kommunikation ist ausschlaggebend, damit alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen und sich verstehen, wenn die Arbeit aufgeteilt wird.
Viel konzeptionelle Arbeit wie die Storyline wird meistens von den Agenturen übernommen. Schauspieler:innen und Sprecher:innen kümmern sich um die Umsetzung. Bis schliesslich die Tonaufnahme und Gestaltung im Studio, welche meistens vom Endprodukt abhängig ist, bei Werbe-Produzenten wie Roland endet. Auf dem Weg zum Endprodukt ist es wichtig, dass die Kundschaft richtig beraten wird. Das richtige Mass an Kreativität muss ausgeschöpft werden, um das bestmögliche Ziel gemeinsam zu erreichen.
Musikproduktion
In der Musikproduktion werden mit Bands oder Künstler:innen zusammen an einem musikalischen Projekt gearbeitet. Wichtig hierbei ist, dass das Endprodukt den Musiker:innen gerecht wird. Die Authentizität der Künstler:innen darf nicht verloren gehen und so werden auch schnell die Arbeitszeiten für sie lockerer und flexibler gehandhabt. Die Produktion beginnt möglicherweise am Nachmittag und geht bis spät in die Nacht. Als Musik-Produzent:in ist das Zeitmanagement demnach freier, da auch keine Abhängigkeit an zu knappen und zum Teil wenig realistischen Zeitplänen vorhanden ist.
Musikbranche vs. Werbebranche
Die Musikbranche in der Schweiz ist generell härter als die Werbebranche. Wieso? Die Schweizer Musikbranche ist bereits sehr gesättigt. Zu wenige hören die Musik von einheimischen Musiker:innen. Jedes Gross- und Mittelunternehmen hingegen macht und benötigt immer wieder neue Werbung. Das führt dazu, dass professionelle Werbeton-Produzent:innen gefragt sind. Diese andauernde Nachfrage lässt Werbeton-Produzent:innen wie Roland Frei genug verdienen, um seinen Lebensunterhalt zu bezahlen. Professionelle Musik-Produzent:innen haben Mühe sich ihr Leben bis zur Rente mit Musik zu finanzieren. Unter anderem auch, weil der internationaler Markt auch einen grossen Einfluss hat.
Während bei Gesang- oder der Rap-Aufnahmen die Stimme der Wörter variieren kann und oftmals nachbearbeitet wird, sind bei Sprachaufnahmen detaillierte, klare, sauber und verständliche Aussagen erwünscht. Ein weiterer Unterschied zwischen Werbe- und Musikproduktion ist das Zeitmanagement. Je nach Deadline einer Werbung kann es schnell stressig werden. Das Management der Zeit wird mehr gewichtet, weil die Zusammenarbeit mit anderen Personen, welche beispielsweise nur zu Büroöffnungszeiten arbeiten, beachtet werden muss.
Wie sieht es mit den Aufnahmen aus? Wie oben kurz erwähnt, sind möglichst detaillierte und realistische Aufnahmen von Sprecher:innen hilfreich, um eine erfolgreiches Endprodukt zu erzielen. Bei der Musikproduktion werden Mics und Preamps benutzt, die nach Wunsch die Stimme färben. Gestalterische Merkmale der Aufnahmen sind: Auf den entsprechenden Ausdruck, die Emotionen, die Dynamiken und die richtige Dramaturgie zu achten. Nach Roland Frei gilt es in der Nachbearbeitung zu beachten, dass alle Atemstosse, alle Lippengeräusche und allfällige „Bumps“ bei Explosivlauten ebenfalls entfernt werden.
Was braucht es zum Werbeton-Produzenten?
Kommunikation ist das A und O. Nicht nur die Teamarbeit soll aufgehen, sondern auch beim Werbeton wird eine passende Kommunikation erwartet. Die Werbeton-Produzent:innen im Team sollen vor allem ein ehrliches Interesse an dieser Arbeit haben. Leute, die nichts mit Werbung zu tun haben wollen und keine Leidenschaft für Kommunikation, kreative Ideen und ein technisches Händchen haben, sollten auch nicht in diesem Metier einsteigen. Bei Roland Frei macht sich besonders stark die Leidenschaft für seinen Beruf bemerkbar. Das ist Mitgrund, wieso ihn seine Kundschaft mag und ihn immer wieder für Projekte aufsucht. Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und Genauigkeit sind Eigenschaften, die gute Werbe-Produzent:innen benötigen. Nichteinhalten einer Deadline oder ungenaues fehlerhaftes Arbeiten kann grosse kostspielige Konsequenzen haben.
Ein soziales Netzwerk ist von grosser Wichtigkeit. Nicht zwingend, weil die Werbung schliesslich in den sozialen Medien wirken wird, sondern weil Werbe-Produzent:innen gerne viele, abwechslungsreiche und am besten gute Synchronsprecher:innen kennen. Diese können wiederum an Castings eingeladen werden und sind die Grundlage für eine optimale Auswahl der Kundschaft. Vermehrt erhält man Angaben zur gewünschten Sprachaufnahme. Das sogenannte Sprecherbriefing beantwortet Fragen wie: Ist die Stimme weiblich oder männlich? Welche Sprache wird gesprochen? Wie alt soll die Person sein, die spricht? Neben diesen grundlegenden Attributen folgen einige emotionale Attribute (jung, frech, ängstlich, vertrauenswürdig, etc.). Gelingt das Briefing, werden drei bis fünf Sprechrollen dem Auftraggeber oder der Agentur präsentiert.
Wo bleibt der Spass?
Ursprünglich kommt Roland Frei aus der Musikbranche. Gleichzeitig war er schon immer an Film und Sprache interessiert. Das führte dazu, dass er immer mehr in dieses Metier hineinrutsche. Er begann Werbemusik zu komponieren. Später kam die Faszination für Sounddesign und Sprachaufnahmen dazu. „Ich bin kompletter Autodidakt“, nach eigener Aussage. Das Tontechnische hat er sich selbst beigebracht, indem er seiner Neugierde treu blieb und immer mal wieder Gelegenheit hatte, anderen Leuten über die Schulter zu schauen. Freude und Spass haben ihn stets vorangetrieben. Heute schätzt er vor allem die abwechslungsreiche Projektarbeit an seinem Beruf und Werbung, die humorvoll ist und eine gute Geschichte erzählt.
Nichts geht über Erfahrung
„Jeder, der Werbung produziert, kann auch Musik produzieren, aber wer nur Musik produziert, kann keine Werbung produzieren“, so Stefan Kratz von Sound & Recording Podcast.
Was sagt Roland Frei dazu? „Nicht ganz falsch aber auch nicht ganz richtig. Bei der Werbeproduktion hast Du es ja meistens auch noch mit visuellen Medien zu tun, die es zu unterstützen gilt. Dafür muss man auch ein Auge entwickeln und sich bewusst werden sein, dass man ein Teil einer Produktion ist.“
Mit der Zeit werden die kleinen Unterschiede bemerkt, Erfahrungen werden gemacht und Innovationen entstehen, welche Werbeton-Produzenten zu wahren Profis in ihrem Fach macht und sie klar von Musik-Produzenten unterscheidet.
Fazit
Dieses Projekt zeigt das Werbeton eine gute Alternative zur für all diejenigen Musikproduzenten ist die nicht davon leben können. Jedoch ist es keine billige Notlösung sondern eine hochwertige Herausforderung. Man sollte nicht diesen Weg gehen wen man keine Lust auf diese Branche hat. Roland Frei ist auch ein guter beweis dass ein Musiker gute Chance auf erfolg mit Werbeton hat. Wichtig ist nur die Motivation, Leidenschaft und genug Durchhalte vermögen.














